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Geschichte des VLW
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Der VLW von 1949 bis 1989

 

Von Kurt Rollfinke

Vom Verband Deutscher Diplom-Handelslehrer zum Verband der Lehrer an Wirtschaftsschulen - 40 Jahre Verbandsarbeit in Rheinland-Pfalz (1949-1989)

Das nach 1945 neugeschaffene Rheinland-Pfalz bestand, in seinem nördlichen Teil im Wesentlichen aus vormals preußischen Gebieten, im südlichen (pfälzischen) Teil aus vormals bayrischem Gebiet. Die durch diese unterschiedliche Vorgeschichte bedingten unterschiedlichen Strukturen machten sich anfangs auch in der unterschiedlichen Organisationsstruktur der Diplom-Handelslehrer im Lande be­merkbar, die dazu führte, dass in Rheinland-Pfalz erst 1949 ein Verband Deutscher Diplom-Handels­lehrer entstand, der sich 1950 dem Bundesverband anschloss.

Im nördlichen Teil des Landes hatten sich Kollegen gefunden, die die Tätigkeit des früheren Verbandes Preußischer Handelslehrer (später „Reichsverband") fortsetzten; hier ist vor allem Diplom-Handelsleh­rer Dr. Konrad Pfeiffer, Neuwied, als einer der rheinland-pfälzischen Verbandsbegründer zu nennen. In der Pfalz waren es u. a. Dipl.-Hdl. Bruno Skomrock, Kaiserslautern, und Dipl.-Hdl. Herbert Thoma, Grünstadt, die die Verbandsarbeit organisierten. Zur Gründung des Landesverbandes, die 1949 in Bad Kreuznach erfolgte, trug schließlich auch Dipl.-Hdl. Dr. Erwin Hoffmann, Worms, wesentlich bei.

Vorsitzende des Landesverbandes und damit Motoren der Verbandsarbeit waren seither:

Dr. Konrad Pfeiffer, Neuwied   1949-1958
Gotthard Steglich, Mainz   1958-1962
Herbert Thoma, Grünstadt     1962-1965
Erich lllmann, Mainz     1965-1969
Klaus Assmann, Mainz  1969-1971
Wolfgang Schütte, Kirn  1971
Max Seither, Landau      1972-1983
Helga Giebson, Mainz    1984-1989
 
Oberstudiendirektor Erich lllmann, Mainz, war von 1968 bis 1971 Bundesvorsitzender des Verbandes sowie in den Jahren 1964-1968 und von 1975-1981 stellvertretender Bundesvorsitzender. Die Lan­desvorsitzende Helga Giebson ist seit 1989 stellvertretende Bundesvorsitzende.

Die erste größere Veranstaltung des Verbandes in Rheinland-Pfalz war die „Europäische Hochschulta­gung", die 1951 unter dem Thema „Europäisches Kulturgut und Weltwirtschaft" an der Universität Mainz stattfand. Diese Tagung westeuropäischer Wirtschaftserzieher wurde vom Bundesverband un­ter seinem Vorsitzenden Dr. Anton Pfeifer, Aachen, organisiert.

In den 50er Jahren wurde die Organisation des Landesverbandes verbessert: hatten zunächst noch die Mitglieder des Landesvorstandes aus den einzelnen Bezirken auch die Betreuung der Mitglieder in den jeweiligen Bezirken übernommen, so wurden im Laufe der Zeit Bezirksvorsitzende in den Re­gierungsbezirken des Landes gewählt, die satzungsgemäß stimmberechtigte Mitglieder des Landes­vorstandes wurden. Dabei wurde für den Regierungsbezirk Montabaur kein eigener Bezirksverband eingerichtet; auch nach Auflösung des Regierungsbezirks Rheinhessen blieb der entsprechende Be­zirksverband erhalten.

Beim Studium der Verbandsunterlagen aus den ersten Jahren der Verbandsarbeit fällt auf, dass ein außerordentlich großer Teil der Arbeit und des Interesses den Besoldungsfragen (Einstufung) galt. Der Berufsstand der Diplom-Handelslehrer hatte aus den 20er und 30er Jahren ein unrühmliches Erbe übernehmen müssen, d.h., Diplom-Handelslehrer fühlten sich im Schuldienst falsch und unge­recht eingestuft. Als Gründe für diese ungerechte Behandlung wurde mal das angeblich zu kurze Studium und dann wieder das praktisch-pädagogische Jahr angegeben, Ende der 50er Jahre war der Kampf des Verbandes endlich erfolgreich: Diplom-Handelslehrer im Berufsschuldienst wurden in den höheren Dienst übernommen; auch hinsichtlich der Amtsbezeichnung gab es bald die ange­strebte Anpassung an den höheren Dienst: aus Handelsoberlehrern wurden Studienräte.

Dieser große Erfolg des VDDH brachte auch bei der Verbandsorganisation einen Durchbruch, d.h. viele Kol­legen erkannten und verstanden jetzt die Bedeutung einer Berufsorganisation, die sich für die speziel­len Interessen ihres Berufsstandes einsetzt.

Die Bemühungen des Verbandes gingen nun dahin, auch noch die Harmonisierung der Arbeitsbedin­gungen (Arbeitszeit) im höheren Dienst zu erreichen. Für viele war es eine Selbstverständlichkeit, dass bei gleichen Studien- und Ausbildungsbedingungen alle Lehrer, die im Sekundar-Il-Bereich unterrich­ten, auch die gleiche Pflichtstundenzahl haben. Diese Hoffnung vieler Kollegen, dass diese letzte Stufe der Anpassung an den höheren Dienst fast nur noch eine Formsache sei, die in kurzer Zeit erreicht werden könnte, zerschlug sich bald. Es wurde daraus vielmehr eine leidige „unendliche Geschichte". Es ist erschreckend festzustellen, wie viel Arbeits-, Energie- und Zeitaufwand uns dieses Thema in den letzten Jahrzehnten gekostet hat; viele Gutachten wurden erarbeitet, Resolutionen wurden verfasst, unzählige Verbandsveranstaltungen, Gespräche mit Bildungspolitikern, Diskussionsrunden usw. mussten diesem Thema gewidmet werden. Viel Kraft und Zeit gingen dabei der Diskussion über andere - letztlich vielleicht wichtigere bildungspolitische Themen verloren. - Dabei wurde uns von unseren Kultusministern und ihren Staatssekretären immer wieder versichert, dass es keinerlei sachliche Gründe für unsere Schlechterstellung bei der Pflichtstundenzahl gäbe, dass aber im Augenblick die längst fällige Harmonisierung leider aus diesem oder jenem Grund nicht vorgenommen werden könne.

Es ist ebenso grotesk wie ärgerlich, im Nachhinein einmal zu verfolgen, welche verschiedenartigen Gründe der Harmonisierung der Arbeitszeit im Lauf der Jahre angeblich im Wege standen. Zunächst hieß es, finanzielle Gründe erlaubten die Reduzierung der Wochenstundenzahl noch nicht sofort. Nun ja, Rheinland-Pfalz war ein armes Land, und diese Begründung erschien zunächst einleuchtend, ob­wohl kein Kultus- oder Finanzminister es je für nötig hielt zu erklären, weshalb dieses arme Land Rhein­land-Pfalz denn nun ausgerechnet immer wieder nur an seinen Berufsschullehrern sparen müsse. Das bittere Wort vom Berufsschullehrer als dem „Sparschwein der Nation" kam auf.

Als sich dann die finanzielle Lage des Landes offensichtlich gebessert hatte, konnte diese Begründung nicht mehr aufrechterhalten werden. Eine neue Begründung wurde notwendig - und wurde von der Kultusverwaltung auch bald gefunden: der Lehrer- und Nachwuchsmangel bei den berufsbildenden Schulen wurde jetzt angegeben, der bei einer Reduzierung der Wochenstundenzahl zur Erhöhung des ohnedies beträchtlichen Unterrichtsausfalls führen würde. Als dann durch Sonderaktionen (z. B. Ge­winnung von Vertragslehrern) eine Besserung der Situation in Sicht war, war aber immer noch nicht die Zeit für eine Harmonisierung der Arbeitszeit gekommen: jetzt war es ein bevorstehender Schülerberg, der eine Reduzierung der Wochenstundenzahl verhinderte. Abgesichert wurde dieses Argument noch durch die Celler Beschlüsse der Ministerpräsidenten, das sog. Stillhalteabkommen, das den einzelnen Bundesländern untersagte, die Arbeitszeit der Lehrer eigenmächtig zu ändern. Zwar wurde bald be­kannt, dass trotz dieses Stillhalteabkommens einzelne Länder doch noch Änderungen der Arbeitszeit für bestimmte Lehrergruppen vornahmen, wenn sie dies für opportun hielten. Doch die Änderung der Pflichtstundenzahl für Lehrer an berufsbildenden Schulen hielt hier wohl niemand für opportun.

Es ist dem Kultusminister Dr. Georg Gölter zu verdanken, dass er dem jahrzehntelangen Tauziehen um die Harmonisierung der Arbeitszeiten in Rheinland-Pfalz endlich ein Ende bereitete und dafür sorgte, dass stufenweise ab 1988 die Arbeitszeit der Lehrer an berufsbildenden Schulen harmonisiert wird.

Zusammen mit allen Kollegen freut sich der Landesvorstand über diesen Erfolg seiner ständigen Be­mühungen. Seine Hoffnung, dass er nun seine Kräfte und Energien künftig verstärkt anderen bildungs­politischen Themen zuwenden kann, ging leider doch nicht in Erfüllung. Bei der Durchführung der all­gemeinen Arbeitszeitverkürzung im öffentlichen Dienst, die 1989 erfolgte, ging die Harmonisierung der Arbeitszeit schon wieder verloren; denn die Arbeitszeitverkürzung tritt für alle anderen Lehrergruppen schon 1989 und 1990 in Kraft, für Lehrer berufsbildender Schulen jedoch erst 1991. Der VLW bemüht sich derzeit um eine Beseitigung der erneuten Benachteiligung.

Natürlich standen auch bisher schon bildungspolitische Fragen im Mittelpunkt der Verbandsarbeit. Die Themen der Veranstaltungen des Landesverbandes lassen erkennen, dass sich die berufliche Bil­dung in den zurückliegenden Jahrzehnten in starkem Aufschwung und Wandel befand und dass der Verband wichtige Beiträge zur Entwicklung und Neugestaltung unseres Schulwesens sowie zur Ver­besserung des dualen Ausbildungssystems geleistet hat.

In den 60er Jahren war das neunte Schuljahr heiß umstritten. Die Volksschule (Hauptschule) forderte dieses neue Pflicht-Schuljahr ganz für sich. Entsprechend seinem Verständnis von Demokratie im Bildungs­geschehen forderte der VDDH die Verwirklichung und Respektierung des Elternrechts auch in diesem Bereich: Schüler des 8. Hauptschuljahres bzw. ihre Eltern sollten entscheiden, ob sie im 9. Schuljahr weiterhin die Hauptschule oder aber eine Berufsfachschule (z.B. Handelsschule) besuchen sollten. Wir hofften dabei, dass die Handelsschulen in der Öffentlichkeit und vor allem in der Wirtschaft einen so guten Ruf hatten, dass unsere Schulen mit Neuntklässlern gut gefüllt sein würden. Aber viele Stellen, die sich in anderem Zusammenhang so stark für die Wahrung des Elternrechts bei Erziehung und Aus­bildung eingesetzt hatten, schwiegen hier - und so wurde das 9. Schuljahr leider ganz der Haupt­schule als Pflicht-Schuljahr zugeordnet. Es ist heute sicherlich müßig, darüber zu spekulieren, ob die unbefriedigende Entwicklung der Hauptschule seit dieser Zeit positiver für die Hauptschule verlaufen wäre, wenn seinerzeit das 9. (und 10. Schuljahr) zumindest als Wahlmöglichkeit an den Berufsfach­schulen eingerichtet worden wäre und somit alle Hauptschüler dann eine berufliche Grundausbildung und gleichzeitig die Chance zum Erwerb der „mittleren Reife" ohne Zeitverlust erhalten hätten.

Die damalige Diskussion wiederholt sich heute mit etwas anderen Argumenten bei den Bemühungen um das 10. Schuljahr. Mit Bedenken sehen wir, dass auch in Rheinland-Pfalz immer neue 10. Haupt­schulklassen und Modellversuche mit dem allgemeinbildenden 10. Schuljahr eingerichtet werden, ob­wohl es an den Berufsfachschulen für interessierte und bildungswillige Jugendliche genügend Bil­dungsmöglichkeiten gibt und obwohl hinreichend bekannt ist, dass es Jugendliche im Alter von etwa 15 Jahren stark zu berufsbezogenen Lerninhalten hinzieht und die in den letzten Jahren in der Wirt­schaft gestiegenen Ausbildungsanforderungen es zweckmäßig oder gar erforderlich erscheinen las­sen, jungen Leuten vor Einstieg in das Berufsleben einen soliden berufsfeldbezogenen Unterricht oder auch eine berufliche Grundausbildung z.B. in einem Berufsgrundschuljahr oder einer Berufsfach­schule zukommen zu lassen.

Die gerade vom Land Rheinland-Pfalz kürzlich angeregte Diskussion über eine Verkürzung der Schul­besuchszeiten (an allen Schularten) könnte jetzt zu einem Umdenken in der Frage der Schulzeitver­längerung um ein 10. (Pflicht-) Hauptschuljahr führen. Auf jeden Fall sollte unser Verband in diese Diskussion wieder den Vorschlag einbringen, Hauptschülern den Übergang auf eine Berufsfachschule schon nach dem 8. Hauptschuljahr zu ermöglichen.

Große Aufmerksamkeit widmete der Landesverband stets der Einrichtung neuer Schulformen und Bildungsgänge: schon früh setzte er sich für die Einrichtung von Wirtschaftsgymnasien (damals Wirt­schaftsoberschulen) in Rheinland-Pfalz ein, ein Ziel, das 1962 erreicht wurde, sowie für die Einrichtung höherer Wirtschaftsfachschulen (heute Fachhochschulen), ein Ziel, das 1964 (für Rheinland-Pfalz) er­reicht wurde.

Der Ausbau des wirtschaftsberuflichen Schulwesens in unserem Lande machte die Schaffung eines Lehrstuhles für Wirtschaftspädagogik erforderlich. Der Verband setzte sich dafür ein, und 1966 wurde an der Universität Mainz ein Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik eingerichtet, der 1967 mit Prof. Peege besetzt wurde.

Nach 21jähriger Tätigkeit, also 1970, wurde der rheinland-pfälzische Verband „erwachsen"; der Ver­band gab sich jetzt eine neue Satzung, er wurde ins Vereinsregister beim Amtsgericht-Mainz einge­tragen und erhielt einen neuen Namen. Der ursprüngliche „Verband Deutscher Diplom-Handelslehrer, (VDDH) hieß nun (wie auch sein Bundesverband) „Verband der Lehrer an Wirtschaftsschulen" (VLW). Seit dieser Zeit ist dem Landesvorstand auch ein Beirat zugeordnet. Die Verbandszeitschrift erhielt ein neues Aussehen.

Ständiges Arbeits- und Diskussionsthema des Verbandes auf allen Ebenen war und bleibt natürlich die Gestaltung des dualen Ausbildungssystems, d.h. das Verhältnis zum „dualen Partner" Wirtschaft. Besonders intensiv waren Diskussionen um diese Thematik jeweils vor Inkrafttreten neuer einschlä­giger Bestimmungen wie z.B. des Berufsschulgesetzes (1962), des Schulgesetzes (1974), des Be­rufsbildungsgesetzes des Bundes (1969) und des „Aktionsprogrammes für eine bessere berufliche Bildung" (1973). Natürlich gehörten auch das Berufsgrundschuljahr und Fragen der Fort- und Weiter­bildung zu den ständigen Themen der Verbandsarbeit.

In letzter Zeit beschäftigten sich die Ver­bandsgremien schwerpunktmäßig vor allem mit der Entwicklung der höheren Berufsfachschulen (z.B. Höhere Handelsschule) und der Gestaltung der beruflichen Weiterbildung.

Um die Verbandsmitglieder und die gesamte interessierte Öffentlichkeit über die Verbandsarbeit und die vom Verband vertretenen Standpunkte zu informieren, finden Mitgliederversammlungen, Delegier­tenversammlungen, Studien- und Fachtagungen sowie Zusammenkünfte der Ortsvorsitzenden statt, Von besonderer Bedeutung in der Reihe der Verbandsveranstaltungen war die Jubiläumsveranstaltung des Bundesverbandes, die dieser 1983 anlässlich seines 75jährigen Bestehens im Hambacher Schloss unter großer Beteiligung der Verbandsmitglieder durchführte.

Zur Information der Mitglieder verschickt der/die Landesvorsitzende „Informationen", der Landesvor­stand gibt außerdem die Zeitschrift „Die Wirtschaftsschule" (früher „Die kaufmännische Schule") her­aus. Im Auftrag des Landesverbandes veröffentlichte Prof. Peege 1970 die Dokumentation „Das kauf­männische Bildungswesen in Rheinland-Pfalz".

Im Jahre 1971 wurde der Landesvorstand des VLW um einen Beirat erweitert. Laut Satzung werden von der Delegiertenversammlung sachkundige und erfahrene Kollegen sowie Ehrenmitglieder des Verbandes in den Beirat berufen. Der Beirat tagt im Allgemeinen zusammen mit dem Landesvorstand; die Beiratsmitglieder sind bei formalen Abstimmungen jedoch - mit Ausnahme des Beiratsvorsitzen­den - nicht stimmberechtigt. Es ist allerdings guter Brauch des Landesvorstandes, dass den Argumen­ten und Diskussionsbeiträgen der Beiratsmitglieder Gehör geschenkt wird. Die Mitgliederzahl des Bei­rates ist durch die Satzung nicht vorgeschrieben. - Seit Gründung des Beirates war Herr Dipl.-Hdl. Klaus Assmann, Mainz, Vorsitzender des Beirates bis zu seinem Tod im Mai 1988; sein Nachfolger ist Herr Dipl.-Hdl. Erich lllmann, Mainz.

Folgende Beiratsmitglieder wurden gewählt:

1971 die Herren Assmann (Mainz), Dünschede (Speyer), E. Martin (Mainz), Dr. Maier (Ludwigshafen), Petters (Kaiserslautern), Dr. Schert (Mainz)

1973/1977 die Herren Assmann (Mainz), Dr. Maier (Ludwigshafen), Dr. Schert (Mainz), Dr. Förner (Speyer)

1981 die Herren Assmann (Mainz), Dr. Förner (Speyer), lllmann (Mainz), Dr. Maier (Ludwigshafen)

1983 die Herren Assmann (Mainz), lllmann (Mainz), Dr. Maier (Ludwigshafen), Rollfinke (Boppard), Neumann (Kaiserslautern), Birke (Trier)

1987 die Herren Assmann (Mainz), lllmann (Mainz), Dr. Maier (Ludwigshafen), Neumann (Kaiserslau­tern), Rollfinke (Boppard), Birke (Trier)

Verbandszeitschrift

Eine Zeitschrift für Mitglieder des Landesverbandes gibt es erst seit 1962. Damals wurde gemeinsam mit dem Landesverband der Gewerbelehrer ein „Mitteilungsblatt" herausgegeben. - Erst ab Dezem­ber 1963 erschien eine eigene Verbandszeitschrift unter dem Namen „Die kaufmännische Schule", die ihren Titel 1976 änderte in „Die Wirtschaftsschule".

Die Zeitschrift erscheint 3-4 mal jährlich in unregelmäßigen Abständen. Sie soll die Öffentlichkeit und die Mitglieder informieren über die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz und insbesondere über die Situa­tion des kaufmännischen Schulwesens im Lande sowie über die Aktivitäten des Verbandes auf allen Ebenen; Veranstaltungen werden angekündigt, anschließend wird über sie berichtet. Bildungspoliti­sche Vorstellungen des Landesvorstandes werden erläutert. Gelegentlich wird auch wirtschaftspäd­agogischen Grundsatzfragen Platz eingeräumt.

Folgende Schriftleiter waren bisher für die Gestaltung der Verbandszeitschrift verantwortlich:

Erich Illmann/Franz Klöfer: 1962/63 „Mitteilungsblatt"; Franz Klöfer (zeitweise zusammen mit Erich lllmann: 1963-1969 „Kaufmännische Schule";Adolf Hofmann: „Die kaufmännische Schule"; Ernst Willisch: 1970-1975 „Die kaufmännische Schule"; Rüdiger Berg: 1976-1978 „Die Wirtschaftsschule"; Helga Giebson: 1978-1983 „Die Wirtschaftsschule"; Hans-Peter Hünemann (seit 1984).

Es erschienen Sonderausgaben der Zeitschrift z.B. zu Personalratswahlen, zur Vorstellung des kaufmännischen Schulwesens und als Handreichung für Studienreferendare.

Außer dieser Verbandszeitschrift gibt es die „VLW-Informationen", die der jeweilige Landesvorsitzende aus aktuellen Anlässen verschickt.


Die Achtziger

Der VLW Rheinland-Pfalz in den achtziger Jahren
Von Helga Giebson

Der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in den achtziger Jahren

Die Zeit, in der ich 1983, zunächst kommissarisch, und ab 1984 als gewählte Landesvorsitzende den Verband vertrat, war nicht sonderlich günstig, um Schule und Bildung im allgemeinen und Berufsbildung im Besonderen in einer breiten Öffentlichkeit populär zu machen. Die Medienwelt beschäftigte sich vielmehr intensiv mit Themen des Umweltschutzes, der Dritten Welt, Atomkraft und Abrüstung. Für Bildungsaufgaben fehlte es an Geld, so dass die Verbandsarbeit sich wieder einmal auf das beharrliche „Bohren von dicken Brettern“ konzentrieren musste.

Deshalb ist es unzweifelhaft, dass die Geschichte des VLW auch immer die Geschichte des beruflichen Schulwesens in Rheinland-Pfalz dokumentiert, denn der Verband hat seine Arbeit, neben seinen standespolitischen Aufgaben, stets als Dienst und Mithilfe an der Weiterentwicklung kaufmännischer Berufsausbildung in unserem Land verstanden.

Da der vorgegebene Umfang dieses Artikels inhaltliche Beschränkung vorgibt, mögen nur einige Beispiele die Aktivitäten des VLW in den achtziger Jahren in Erinnerung bringen.

Wenn Erasmus behauptet: „Ein Stand muss lehren, der andere nähren, der dritt‘ muss bösen Buben wehrn“, gilt diese scharfe Differenzierung nicht für die Interessenvertretung der Lehrer an Wirtschaftsschulen. Auf Grund der spezifischen Situation des berufsbildenden Schulwesens treffen vielmehr alle drei Standesmerkmale für seine Lehrerinnen und Lehrer zu und bestimmen damit den Aufgabenbereich ihres Verbandes.

Schul- und Bildungspolitik
 

Unsere Schulart stand und steht, wie keine andere, im Schnittpunkt einer Vielzahl sich widerstrebender gesellschaftlicher Interessen und Kräftefelder. Es galt deshalb, Angriffen aus Politik und Wirtschaft auf bewährte Strukturen des kaufmännischen Schulwesens zu „wehren“. Fehlende Lehrer einerseits, hohe Klassenfrequenzen, verkürzte Ausbildungszeiten, schwierige Organisationsvorgaben für Unterrichtszeiten, sowie sich stark wandelnde Schülerstrukturen andererseits kennzeichneten den Unterricht an Wirtschaftsschulen.

So konnte der VLW zum Beispiel, trotz vielfacher Bemühungen, nicht verhindern, dass in Berufsschulklassen die Stundentafeln gekürzt wurden. Das verbleibende Unterrichtsangebot musste auf Betreiben der Kammern so organisiert werden, dass – wider jede pädagogische Vernunft – die Jugendlichen einen jeweils achtstündigen Berufsschultag zu verkraften hatten.

Darüber hinaus stritt der Verband für mehr Flexibilität in Fragen der Klassenfrequenzen und Klassenbildungen. Messzahlen von durchgängig 30 bis 33 Schülern, sowohl in fachlich anspruchsvollen Abiturientenklassen als auch in den lernschwierigen Berufsfach- und –Berufsgrundschulen widersprachen allen lautstark propagierten Aussagen von Politik und Wirtschaft, den Jugendlichen im Rahmen ihres individuellen Bildungsanspruches einen qualifizierten und existenzsichernden Ausbildungsunterricht anzubieten.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich noch gut an heftige Diskussionen des Verbandes mit der Kultusbehörde, um wenigstens für den Datenverarbeitungsunterricht eine Klassenteilung zu erreichen, die es ermöglichte, das „nur“ zwei Schüler gemeinsam an einem Gerät arbeiten konnten. Von besonderer Bedeutung für unsere Verbandsarbeit war die Einführung und Zuordnung des zehnten Hauptschuljahres mit der damit einhergehenden Verleihung des Sekundarabschlusses I. Diese Maßnahme sollte die schwächelnde Hauptschule aufwerten. Sie gefährdete aber in hohem Maße die Attraktivität bewährter berufsorientierter Bildungsgänge mit gleichem Abschluss, die unter Zugrundelegung längerer Schulbesuchszeiten gleichzeitigt eine solide berufliche Grundausbildung vermittelten.

Der VLW hatte alle nur denkbaren Möglichkeiten ausgeschöpft, um der Kultusverwaltung Alternativen und Vorzüge einer berufsbezogenen Ausbildung für die oftmals „schulmüden“ Hauptschüler aufzuzeigen, konnte aber den „politischen Willen“ nicht umstimmen. Die Entwicklung der Hauptschule in den vergangenen dreißig Jahren hat jedoch bewiesen, dass diese künstliche Aufwertung der Akzeptanz dem Qualifikationsniveau der Schulart nicht genutzt hat.

Als positives Beispiel für Entwicklungsfortschritte, an denen der VLW unter Leitung des damals zuständigen Abteilungsleiters in der Kultusbehörde, Herrn Ministerialdirigent Decker, mitarbeitete, waren die Konzeption und Einrichtung neuer Bildungsgänge. So entstanden zum Beispiel in dem Fachschulbereich in den Schuljahren:

  • 1987/88 die Hotelfachschule in Koblenz
  • 1989/90 die Fachschulen für Bürokommunikation in Ahrweiler, Boppard, Ludwigshafen, Saarburg und Zweibrücken;
  • Im gleichen Jahr die Fachschule für Touristik in Gerolstein und
  • 1990/91 die Fachschule für Datenverarbeitung in Koblenz.

Dies war ein mutiger und von den Kammern angefeindeter Schritt der beruflichen Schulen in den Bereich beruflicher Weiterbildung, der bisher als Domäne der Wirtschaft galt.

Personalpolitik

Als Interessenvertretung eines „Standes, der lehrt“, sind personelle Probleme der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen für den Verband eine originäre Aufgabe. Er vertrat sie über die Verbandsgrenzen hinaus während des gesamten Jahrzehnts wirksam mit mehreren Gremiumsmitgliedern im Hauptpersonalrat der Lehrer berufsbildender Schulen bei der Kultusbehörde. Einige Beispiel mögen den Berichtszeitraum charakterisieren:

Laut Landtagsbeschluss vom März 1985 wurden unsere jungen Lehrkräfte – trotz erheblichen Lehrermangels und damit einhergehendem Unterrichtsausfall – nur noch auf 3/4-Stellen eingestellt. Dem VLW gelang es zunächst mit Unterstützung der anderen dbb-Lehrerverbände, dieses Verfahren auf drei Jahre zu befristen. Es wurde darüber hinaus ein Musterprozess zu den Vergabemodalitäten von ¾-Verträgen für Berufsanfänger geführt, der mit seinem Urteil die Rechtswidrigkeit dieser Maßnahme feststellte.

Ein herausragendes Anliegen war dem Verband die Harmonisierung der Arbeitszeit in der Sekundarstufe II. Der Kampf um die Gleichstellung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl mit den Kollegien der Gymnasien dauerte fast vierzig Jahre und endete 1988 endlich mit Erfolg. Dieses Ergebnis war für den Verband ein wichtiger Meilenstein in der Realisierung der Gleichwertigkeit allgemeiner und beruflicher Bildung und zugleich eine längst fällige Anerkennung von jahrzehntelangen erheblichen Mehrbelastungen unserer Kolleginnen und Kollegen an den berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz.

Der VLW engagierte sich darüber hinaus auch für eine Arbeitserleichterung für unsere älteren Kollegiumsmitglieder. Ab dem Schuljahr 1986/87 wurde diese sogenannte „Altersanrechnung“ so  verbessert,  dass jeder voll beschäftigten Lehrkraft ab dem 55. Lebensjahr das wöchentliche Regelstundenmass um zwei Pflichtstunden verkürzt wurde. Diese Maßnahme konnte später auch adäquat auf teilzeitbeschäftigte Lehrer ausgedehnt werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Ein Verband muss seine Arbeit einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen und erläutern. Von den im Berichtszeitraum jährlich stattgefundenen Großveranstaltungen sei der 1985 durchgeführte Kongress der Lehrer an Wirtschaftsschulen hervorgehoben. Sein Thema „Perspektiven moderner Berufsbildung – duale Partnerschaft ohne Zukunft?“ erzielte sowohl im Land als auch überregional bei Politik und Wirtschaft eine gute Resonanz.

Für die Alltagsarbeit unserer Kolleginnen und Kollegen in den Schulen war das stets aktualisierte „Handbuch für die berufsbildende Schule“  mit den wichtigsten Verordnungen und Gesetzen eine begehrte Hilfe. Darüber hinaus wurden Handreichungen für Referendare, zielorientierte Informationsschriften und „Die Wirtschaftsschule“ als periodisch erscheinende Verbandszeitschrift veröffentlicht.

Die dargestellten Aktivitäten des VLW in den achtziger Jahren, die in meine Zeit als Landesvorsitzende fielen, dokumentieren nur exemplarisch die breite Arbeitspalette unseres Verbandes. Wir konnten Erfolge erzielen, mussten aber auch Enttäuschungen hinnehmen. Beides waren jedoch, auch in den darauffolgenden Jahren, für alle Mitglieder des Landesvorstandes Ansporn und Verpflichtung, sich stets mit ganzer Kraft für die Belange der Kollegien an den Wirtschaftsschulen unseres Landes zu engagieren.


VLW von 1990 bis 2010

 

Der VLW 1990 bis 2010

Von Frieder Heil

 

Die bildungspolitische und personalpolitische Ausgangslage zu Beginn des letzten Jahrzehnts in diesem Jahrtausend aus Sicht des VLW: Die Berufsfachschule Wirtschaft steht in der Diskussion, der VLW fordert das 8 + 2- Modell, Kultusminister Gölter (CDU) lehnt ab, das könne man den Hauptschulen nicht antun. Der Klassenbildungserlass wird streng ausgelegt, der VLW fordert Ausnahme­genehmigungen zum Erhalt der Fachklassen in ländlichen Gebieten. Zudem wird vom VLW der Ausbau der Fachschulen gefordert. Der VLW unterstützt die Gründung des VLW in Thüringen, wobei sich hier insbesondere Landesvorsitzender K. Flörchinger, E. Illmann, G. Jooß und I. Havel-Scheuermann engagieren und intensive Kontakte fördern. Personalpolitisch protestiert der VLW, dass die Lehrerarbeitszeit­verkürzung, welche andere Schularten bereits erhalten haben, an der BBS erst mit 2jähriger Verspätung gelten soll. Zudem erstellt der VLW (insbesondere durch Kurt Rollfinke, der in diesem Jahr völlig überraschend verstirbt) einen beeindruckenden Belastungskatalog, um zu dokumentieren, dass die BBS unzureichend gewürdigt werden.

 

Im Kultusministerium vollzieht sich 1991 ein historischer Wechsel durch den Wahlsieg der SPD: Rose Götte wird erste sozialdemokratische Kultusministerin, die dann auch auf dem VLW-Bildungskongress im März 1992 das Hauptreferat hält und mehr Demokratie und Pädagogik in den rheinland-pfälzischen Schulen einfordert. In den Schulen hält ab 1993 zunehmend pädagogisch die „Handlungsorientierung“ Einzug und findet sehr unterschiedliche Zustimmung. Ab 1994 engagiert sich der VLW bildungspolitisch insbesondere für die Weiterentwicklung der höheren Berufsfachschulen und vor allem für die Möglichkeit der Ablegung der IHK-Prüfung, was allerdings an dem enormen Widerstand aus IHK-Richtung nicht umgesetzt wird.

 

Neuer Kultusminister ist seit 1994 Prof. Dr. Zöllner (SPD) und dieser hebt auf dem bildungspolitischen Kongress des VLW 1995 insbesondere die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung hervor. Arbeitstechnisch ändert sich an den BBS in enormen Maße der Unterricht durch die starke Zunahme des EDV-Unterrichts; hier ist es insbesondere die Entlastung für die Systembetreuung, die der VLW fordert, da viele EDV-Lehrkräfte dies ohne die geringste Anrechnung leisten.

 

Verbandsintern gibt sich der VLW im Januar 1998 eine neue Satzung. Einher damit gingen Neuwahlen zum Landesvorstand. Nach 25 Jahren intensiver Verbandsarbeit wurde Klaus Flörchinger verabschiedet und gewürdigt. Georg Jooß wurde als sein Nachfolger gewählt, neuer Stellvertreter wurde neben Gisela Wüsten nun Joachim Willemsen. Verbandsintern geht die Öffentlichkeitsarbeit neue Wege und präsentiert ab nun das Forum“ als neue, gut lesbare Verbandsschrift. Personalpolitisch große Sorge machten dem VLW die ¾-BAT-Verträge, gegen die der Verband intensiv und nachhaltig kämpft. Die Einführung von Lernfeldern als Ablösung der Unterrichtsfächer im Bereich der Berufsschule waren bildungspolitische Neuerungen, die auf geteiltes Echo stießen. Im Juni 1999 geht der langjährige Leiter der Abteilung 4 D Martin Decker in den Ruhestand, sein Nachfolger wird Dr. H-J. Berg. Georg Jooß kann als neuer Landesvorsitzender einen ersten Erfolg in der ¾-BAT-Schlacht verkünden, da in bestimmten gesuchten Fächerkombinationen wieder Beamtenstellen angeboten werden. Minister Zöllner gibt bekannt, dass alle Personalentscheidungen zukünftig bei der ADD in Trier angesiedelt sind und die bisherigen BPR in Koblenz, Trier und Neustadt in einen gemeinsamen BPR übergehen. Im März 1999 feiert der VLW auf Schloß Waldthausen sein 50jähriges Bestehen mit einer imposanten Festveranstaltung, auf der Minister Zöllner die Einführung der Altersteilzeit ankündigt, was vom VLW schon lange gefordert wurde. Allerdings geriet die restliche Rede, insbesondere wegen Zöllners Verteidigung der ¾-BAT-Verträge in die heftige Kritik des VLW.

 

Das Jahr 2000 beginnt für den VLW mit einer Landesdelegiertenversammlung, auf der bildungspolitische Urgesteine aus dem Landesvorstand unter großem Beifall verabschiedet werden: G. Neumann als Beiratsvorsitzender und N. Hummel, die 25 Jahre lang Schatzmeisterin des VLW war. Jürgen Kettner wird neuer stellvertretender Landesvorsitzender. Das Jahr 2000 war das Einführungsjahr der BOS, die vom VLW stark begrüßt wurde. Mitte des Jahres gab es die erlösende personalpolitische Nachricht: Endlich werden wieder alle Referendare/innen auf volle Beamtenstellen übernommen – ein zäher und harter Kampf seitens des VLW ist erfolgreich gewonnen. Ein allerdings bis heute nicht behobenes Ärgernis findet Eingang in die Berufsschule: Die BBU-Note. Freude herrschte Ende des Jahres über das gute Abschneiden des VLW bei den Wahlen zum ADD-Personalrat, wo jetzt Gisela Wüsten, Frieder Heil und Gernot Kormann den VLW vertreten.

 

Zu Beginn des Jahres 2001 endlich ein Durchbruch im Bereich der Systembetreuung – langes Bohren hat sich gelohnt. Ende 2001 bringt dann ein weiteres Novum: dem Bewerbermangel an den BBS will man mit der Einführung von Quer- und Seiteneinstieg begegnen. Im Ministerium löste die bisherige Staatssekretärin Doris Ahnen Prof. Zöllner ab. Sie erweist sich in allen Gesprächen mit dem VLW außerordentlich gut über die BBS-Probleme informiert, was man über manche Vorgänger nicht immer sagen konnte.

 

Auch das Jahr 2002 wartet mit Neuerungen auf, da das Beförderungssystem nach A14 nun rein leistungsbezogen umgestaltet wurde, allerdings noch erhebliche Mängel im Verfahren erkennbar sind und prompt zu erheblichen Verärgerungen in der Beförderungsrunde führen. Erste Erfahrungen werden auch mit der neu eingeführten Leistungsprämie gesammelt und alsbald auch wieder abgeschafft. Ein Thema gewinnt immer mehr Raum: Die Lehrergesundheit wird zunehmend als gefährdet erkannt. Der VLW reagiert mit einer Reihe von Fortbildungsveranstaltungen, die sehr großen Zuspruch haben. Im November veranstaltet der VLW eine sehr gut besuchte Fachtagung in der u.a. die Reform der beruflichen Wahlschulen im Vordergrund stehen.

 

Das Jahr 2003 war durchzogen von dem Protest gegen die andauernden finanziellen Verschlechterungen. Bildungspolitisch liefen im Hintergrund sehr viele Gespräche zur Neuordnung der beruflichen Wahlschulen. Die künftige Trennung der bisherigen 2jährigen Berufsfachschule in eine BF I und BF II führte zu vielen konträren Diskussionen auf allen Ebenen. Neu in der bildungspolitischen Diskussion tauchen die „Lernbausteine“ auf. Im November dann ein Generationenwechsel im Landesvorstand: Karl-Heinz Fuß wurde zum neuen Landesvorsitzenden des VLW gewählt. Einher damit ging die Verabschiedung aus dem Landesvorstand von Karl-Heinz Helling, der 33 Jahre im VLW-Landesvorstand außerordentlich engagiert war. Ebenso wurden die beiden ehemaligen Vorsitzenden Helga Giebson und Klaus Flörchinger und des Weiteren Hans Lemke als Mitglieder des Beirates verabschiedet.

 

Das Jahr 2004 und 2005 war bildungspolitisch durch die geplanten Änderungen in der BFI und BF II geprägt, die Übergänge und das Förderkonzept wurden stark diskutiert. Insbesondere die Belastungen in der BF I wurden als deutliches Manko der neuen Konzeption herausgestellt. Auf seiner Landesdelegiertenversammlung werden die Probleme der neuen Konzeption heiß mit den bildungspolitischen Sprechern der Parteien diskutiert; der VLW führt zahlreiche Evaluations-Fortbildungsveranstaltungen mit überwältigender Teilnahme der Mitglieder durch. Die Einführung der BOS II im Rahmen der Strukturreform wird seitens des VLW außerordentlich begrüßt. Dann im Spätjahr ein neues Thema: Das Land richtet die AQS ein. Personalpolitisch hat sich der VLW in den BPR- und HPR-Wahlen positiv behauptet und sendet jeweils drei Vertreter in den BPR und HPR.

 

 

Der Beginn des Jahres 2006 war geprägt durch die Forderung nach Sozialarbeit in der BF I . Das Land reagiert auf die Situation mit dem Ausbau der Schulsozialarbeit an 18 Standorten.

Außerordentlich ärgerlich und ein Dauerbrenner: Die Absetzbarkeit des Arbeitszimmers wird von Seiten des Bundes gestrichen, durch den DBB werden Klagen angestrengt, die bis heute andauern. Eine Trauernachricht ereilt den VLW: Der ehemalige Landesvorsitzende Klaus Flörchinger ist gestorben. Bildungspolitisch ist das Jahr geprägt durch die Diskussion um die Neuordnung der HBF mit Seitenausstieg und Kammerprüfung. Personalpolitisch äußerst ärgerlich: Die Altersteilzeit soll negativ abgeändert werden, ebenso soll die Eingangsbesoldung um eine Gehaltsstufe angesenkt werden; beides lehnt der VLW strikt ab.

 

Diese Proteste führen zu Beginn 2007 zur Rücknahme der geplanten Besoldungsabsenkung! Im März 2007 hat die VLW-Fachtagung in Mainz wieder einen außerordentlichen Zuspruch, AQS, Altersteilzeit und Neuordnung der HBF sind Magnete bei den angebotenen Foren. Dann im Spätjahr 2007 der Schock für den VLW und die BBS: Das Land verkündet die Abschaffung der Hauptschule, die Einführung der „Realschule plus“ und verbunden damit die Einführung einer 2jährigen FOS an der „Realschule plus“ quasi als „Zuckerl“ für die Realschule, um dieser die neue Schulform schmackhaft zu machen. In scharfen Stellungnahmen lehnt der VLW die FOS ab und fordert ein Verzicht der Maßnahme, die als existenzieller Angriff auf die BBS und als Systembruch bezeichnet wird. Im Spätjahr wird der Landesvorstand im Amt bestätigt, die Landesdelegiertenversammlung in Trier formuliert einen außerordentlichen Protest gegen die neue FOS.

 

Das ganze Jahr 2008 war geprägt durch Dutzende Gespräche mit allen Entscheidungsträgern und Landtagsparteien zur Schulreform. Im Schulterschluss mit dem VLBS wurden intensive Gespräche geführt, jedoch macht Ministerin Ahnen sehr deutlich: Die FOS wird an der Realschule plus angesiedelt. Positiv ist zu vermerken, dass eine ganze Reihe neuer beruflicher Gymnasien etabliert werden. Positiv auch, dass ein Kollege mit Unterstützung des VLW das „Schulbuchurteil“ durch alle Instanzen erkämpfen konnte. Deutlich wird langsam, dass sich die Schulträger auch zunehmend den IGS zuwenden und eine solche beantragen. Schlussendlich zeichnet sich ab, dass die BBS in Zukunft durch die Veränderungen der Schullandschaft vor allem im Wahlschulbereich der HBF erhebliche Konkurrenz hinnehmen muss.

 

Das Jahr 2009 ist das Jahr der 60-Jahr-Feier des VLW. Typisch für den VLW: nach vorne schauen. Mit diversen Workshops zu aktuellen bildungspolitischen Themen wird es auch wieder einen interessanten Beitrag zur Weiterentwicklung der BBS geben. Gut so. Weiter so!


VLW von 2009 bis 2018

VLW Rheinland-Pfalz von 2009 bis 2018
Von Michael Lutz

VLW Rheinland-Pfalz – Mitgestalten und Gefahren abwehren

Die Jahre von 2009 bis 2018 waren – in einem gefestigten berufsbildenden Schulsystem – für den VLW geprägt einerseits vom Kampf als gewerkschaftliche Vertretung für die Belange unserer Kolleginnen und Kollegen und andererseits von der Abwehr von Angriffen der eigenen rheinland-pfälzischen Landesregierung auf das System der berufsbildenden Schule.

Die Einführung der „Fachoberschule an der Realschule plus“ bedeutete einen frontalen Angriff auf unser bewährtes System beruflicher Vollzeitschulen und gleichzeitig eine Infragestellung der Kompetenzen der Lehrkräfte an den beruflichen Schulen. Nach zehn Jahren kann festgestellt werden, dass es der Landesregierung unter größter Anstrengung zwar gelungen ist, (fast) flächendeckend die FOS an den Realschulen plus zu verankern, insgesamt aber von einem Siegeszug dieser Schulform nicht ansatzweise gesprochen werden kann. Lange Zeit gelang es der Landesregierung – trotz erheblicher Begünstigungen gegenüber den Schülern der beruflichen Schulen – nicht, einen ordnungsgemäßen, von dazu berechtigten Lehrkräften durchgeführten Sek. II-Unterricht anzubieten. Um dies durchzusetzen, mussten wir – gemeinsam mit dem VLBS – ein Gutachten des renommierten Professors Ulrich Battis beibringen, mit dessen Hilfe es erst gelang, einen (von der KMK geforderten) ordnungsgemäßen Sek II-Unterricht zu gewährleisten.

Der Unterrichtsausfall an den berufsbildenden Schulen des Landes konnte zwar im Laufe der Zeit – auch aufgrund ständiger Forderungen unseres Verbandes – gesenkt werden, bewegt sich aber immer noch deutlich über dem der meisten allgemeinbildenden Schularten. Damit im Zusammenhang steht das Thema Fachkräftemangel, auf den dieser Unterrichtsausfall im Wesentlichen zurückzuführen ist: Erhebliche Verunsicherung bei Studierwilligen brachten die Konflikte um den renommierten Diplomstudiengang Wirtschaftspädagogik an der Universität Mainz, und auch die zahlreichen und immer wieder vorgetragenen Vorschläge unseres Verbandes zur Steigerung der Attraktivität des Lehramtes an beruflichen Schulen und damit zur Lehrkräftegewinnung wurden selten erhört. Stattdessen blieben lediglich Marketingmaßnahmen und der immer größer gewordene Anteil von Seiten- oder Quereinsteigern in das berufsbildende Schulsystem. In den letzten Jahren bemühte sich die Landesregierung, durch die vermehrte Einstellung von allgemeinbildenden Lehrkräften den Unterrichtsausfall zu senken; auch hier verhallten unsere Mahnungen. Lange wurde vom Dienstherrn ein kommender Überhang an Lehrkräften für Betriebswirtschaft an die Wand gemalt – heute ein „Mangelfach“.

Zu allem Überfluss gelang der Landesregierung eine markante Prioritätensetzung für ihre Haushalte, nämlich die berüchtigte „5mal 1 %-Regelung“. Die Abkoppelung ihrer Beamten von der allgemeinen Einkommensentwicklung bedeutete eine weitere Schwächung in dem Bemühen, kompetente und gut ausgebildete Kräfte für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. Es dauerte mehrere Jahre, bis dieser eklatante Verstoß gegen die Fürsorgepflicht eines öffentlichen Arbeitgebers erkannt und (ansatzweise) gemildert werden konnte.

Wozu diese Maßnahmen geführt haben, zeigt eindringlich das folgende Schaubild.  Es zeigt, dass Rheinland-Pfalz für unsere jungen Lehrkräfte mittlerweile auf dem vorletzten Platz angelangt ist – nur in Mecklenburg-Vorpommern verdienen Berufseinsteiger noch weniger So ist es nicht überraschend, dass ein beachtlicher Teil an Junglehrerinnen und -lehrern in die benachbarten Bundesländer abwandert.

Eine positive Entwicklung sei an dieser Stelle aber doch noch angesprochen:  Der ehemalige Bundesbildungsminister Julian Nida-Rümelin eröffnete durch seinen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „Den Akademisierungswahn stoppen“ eine Diskussion um die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung. Die jahrzehntelange Bevorzugung allgemeinbildender Schulabschlüsse scheint sich so seinem Ende zuzuneigen – auch hieran haben unsere Lehrkräfte und unser Verband einen entscheidenden Anteil.

Alle diese – und noch andere Themen – konnte unser Verband mit Hilfe des Karikaturisten Uwe Herrmann auf den Punkt bringen. Einige dieser Karikaturen sollen an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Für die Kolleginnen und Kollegen aus dem Landesvorstand bedeutete die Arbeit an diesen Karikaturen – in Zusammenarbeit mit Uwe Herrmann – eine ständige Herausforderung. Oft wurde wochenlang um Nuancen der Aussage gerungen, wurden Ideen hervorgebracht und wieder verworfen. Die Ergebnisse konnten und können sich sehen lassen, und ein Blick auf die Plakate, die daraus entstanden sind, beleuchtet in eindrucksvoller Weise unsere Arbeit der vergangenen Jahre.

Immer wieder konnte die Frage nach der Prioritätensetzung für die Bildungspolitik gestellt werden, wie in dieser Karikatur, der damalige Hauptakteur ist unschwer zu erkennen.

Die Problematik abnehmender Schülerzahlen bedingte auch eine Diskussion um die Reduzierung und Schließung von Schulstandorten. Dies konnte bislang abgewendet werden, denn wo keine Berufsschulen sind, wird auch nicht mehr ausgebildet. Das Bildungsministerium versucht inzwischen, durch das Projekt „BS 20“ das Bildungsangebot an diese Entwicklung anzupassen.  Der Zuzug vieler Flüchtlinge und die damit verbundene Herausforderung an unsere Lehrkräfte und Schulen konnte vor fünf Jahren natürlich noch nicht erahnt werden.
Immer wieder mussten sich Landesvorstand, Personalräte und Landesversammlungen mit dem leidigen Thema „Fachoberschule“ auseinandersetzen, wie dieses Plakat und die darauf festgehaltenen Forderungen eindrucksvoll belegen.
Immer noch (oder schon wieder) aktuell ist das Thema „Höhere Berufsfachschule“. Jahrelang mussten wir gegen Benachteiligungen dieser Schulform ankämpfen, und aktuell versuchen sich die bildungspolitischen Akteure wieder einmal daran, diese Schulform an die sich wandelnden Anforderungen von Gesellschaft und Wirtschaft anzupassen.
Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ging auch an unseren Lehrkräften nicht vorbei; die Auswirkungen für die Einstellungschancen der jungen Lehrkräfte beleuchtete dieses Plakat.

Einerseits fordert unser Dienstherr die Lehrkräfte zu Fortbildungen auf, andererseits ist das Angebot an fachlichen Fortbildungen, gerade auch für betriebswirtschaftliche Lehrkräfte, nach wie vor völlig unzureichend. Ständige Fortbildungen sind – gemessen besonders an den aktuellen Anforderungen einer digitalisierten Zukunft – so wichtig wie nie zuvor.

Mit Hilfe dieser (und vieler anderer) Karikaturen ist es uns gelungen, aktuelle Brennpunkte der bildungspolitischen Diskussionen auf den Punkt zu bringen – gelegentliche Überspitzungen inbegriffen. Welche Herausforderungen auf den Verband und die in ihm organisierten Kolleginnen und Kollegen in naher Zukunft warten, und wie wir diese gemeinsam bewältigen, werden wir hoffentlich in zehn Jahren präsentieren können. Wie wird es uns gelingen, unsere Schulen „demografiefest“ zu machen, für einen qualifizierten und motivierten Lehrkräfte-Nachwuchs zu sorgen und weiterhin einen kompetenten Unterricht für die Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten? Diese und andere Fragen werden uns weiterhin beschäftigen, und unser Verband wird sich diesen Fragestellungen gewappnet zeigen.

 

 


Fusion der Bundesverbände

VLW & BLBS = BvLB

VLW und BLBS sind am 11. April 2018 zum BvLB verschmolzen.

Der VLW wurde 1908 als „Verein Preußischer Handelslehrer mit Handelshochschulbildung“ gegründet, 1911 umbenannt in „Verein Deutscher Handelslehrer“ sowie 1927 in „Reichsverband Deutscher Handelslehrer mit Hochschulbildung“. Nach 1933 wurde der Verband in den NS-Lehrerverband zwangsintegriert und 1948 als „Verband Deutscher Diplom-Handelslehrer“ wiedereingerichtet. Die letzte Namensänderung zum „Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen e. V.“ erfolgte im Jahr 1973.

Der VLW ist die Bildungsgewerkschaft und die spezielle Interessenvertretung der Lehrerinnen und Lehrer an kaufmännischen Schulen und mit 16 Landesverbänden und ca. 18 000 Mitgliedern der weitaus größte flächendeckende Zusammenschluss der Lehrerinnen und Lehrer an kaufmännischen Schulen in Deutschland.

Der BLBS wurde am 31. Mai 1950 gegründet und umfasst die Bildungsbereiche Elektrotechnik, Metalltechnik, Bau-, Farb- und Holztechnik, Kfz-Technik, Drucktechnik, Sozial- und Gesundheitswesen, Pflege, Körperpflege, Hauswirtschaft und Nahrung in beruflichen Schulen.

Der BLBS tritt für die Interessen der von ihm vertretenen 20 000 Lehrkräfte ein. Dazu zählen einerseits bildungspolitische, dienst- und tarifrechtliche Arbeitsfelder und andererseits Fragen und Probleme der Lehrergewinnung und -ausbildung. Ein Hauptanliegen des BLBS ist, die Qualität der beruflichen Bildung den steigenden Anforderungen des Beschäftigungssystems anzupassen und deren Ansehen und das Gewicht in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

VLW und BLBS fungieren beide als Dachverbände von jeweils 16 deutschen Landesverbände für das Lehramt an beruflichen Schulen in Deutschland. Beide Verbände nehmen zu allen wichtigen berufspädagogischen, schul- und bildungspolitischen Fragen Stellung und beeinflussen damit erfolgreich die Entwicklung und die Rahmenbedingungen der beruflichen Bildung und Ausbildung. Der VLW fokussiert dabei auf die kaufmännische Domäne, der BLBS vertritt die weiteren Bildungsbereiche, die in beruflichen Schulen organisiert sind.

Beide Verbände setzen sich für die Weiterentwicklung folgender Bildungsgänge ein: Ausbildungsvorbereitung, Fachklassen des dualen Systems, Berufsfachschulen, Fachschulen, Fachakademien, Fach- und Berufsoberschulen und berufliche Gymnasien. In den letzten Jahrzehnten war die Arbeit beider Verbände auf drei große Bereiche gerichtet:

Schul- und Bildungspolitik,

Lehrerbildung,

Recht und Besoldung.

Beide Verbände verstehen sich heute als Fachverbände, die sich mit Fragen der inhaltlichen und organisatorischen Weiterentwicklung des Berufsbildungswesens (Schul- und Bildungspolitik) sowie mit der zukünftigen Gestaltung der Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung beschäftigen, also mit dem Studium, dem Referendariat und der das Arbeitsleben der Kolleginnen und Kollegen begleitenden Fort- und Weiterbildung (Lehrerbildung). Zweites wesentliches Standbein der Verbandsarbeit ist die gewerkschaftliche Vertretung seiner Mitglieder, in der es um Rechts-, Status- und Besoldungsfragen geht.

Die bildungspolitischen Veränderungen im Bereich der beruflichen Bildung der letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte haben die Verantwortlichen in BLBS und VLW veranlasst, Möglichkeiten und Ziele einer Verschmelzung ihrer Verbände auszuloten und einen gemeinsamen Bundesverband zu entwickeln.

Die Situation der beruflichen Bildung hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten grundlegend verändert. War in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die Berufsschule im Rahmen des dualen Systems noch die zentrale Schulform des beruflichen Schulwesens, so hat sich das berufsbildende Schulsystem – nicht zuletzt ausgelöst durch die Bildungsexpansion der 60er und 70er Jahre – in einem bis dahin nicht gekannten Maße ausdifferenziert, was sich in einer Vielzahl neuer, insbesondere vollzeitschulischer Bildungsgänge der Ausbildungsvorbereitung, Berufsaus- und -weiterbildung sowie Bildungsgängen zum Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung zeigt. Damit verbunden war ein enormer Anstieg an Schülerzahlen. Parallel dazu veränderte sich auch der Bereich der Bildungsverwaltung, der Zuschnitt von beruflichen Schulen, der Organisation der Ausbildung der Lehrkräfte für die verschiedenen beruflichen Fachrichtungen u. v. a. m.

Bildungspolitische Realität ist mittlerweile, dass bei den großen bildungspolitischen Institutionen im Allgemeinen die berufliche Bildung als Ganzes wahrgenommen und thematisiert wird und deutlich seltener die einzelnen Domänen. Dies zeigt sich z. B. am Bundesministerium für Bildung und Forschung, in dem in der Abteilung 3 die Berufliche Bildung sowie Lebenslanges Lernen und Bildungsforschung angesiedelt sind. Auch das BIBB als dem BMBF nachgelagertes Forschungsinstitut befasst sich mit der Berufsbildung insgesamt, im Organisationsplan der KMK wird die kaufmännische Bildung nicht explizit ausgewiesen, ebenso verhält es sich bei einer Reihe von Bildungsministerien der Länder. Waren in früheren Zeiten die universitäre Berufspädagogik und die Wirtschaftspädagogik noch klar getrennt, findet man mittlerweile immer mehr Lehrstühle, die gleichzeitig für die Ausbildung von Wirtschafts- und Berufspädagoginnen und -pädagogen zuständig sind. Auch die alte Trennung zwischen gewerblichen und kaufmännischen Studienseminaren für die Ausbildung im Referendariat ist seit einigen Jahren in allen Bundesländern aufgehoben. Und bei den beruflichen Schulen können wir – nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels – einen deutlichen Trend zu Bündelschulen und damit zu immer größeren und ausdifferenzierten Schuleinheiten feststellen. Von daher wird es auch immer schwieriger, den Kolleginnen und Kollegen vor Ort plausibel die Bedeutung und Notwendigkeit von zwei parallel arbeitenden Verbänden, wie VLW und BLBS, zu erklären. Hinzu kommt, dass die breite Öffentlichkeit sowie die Medien von der „beruflichen Bildung“ sprechen und in der Regel keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Domänen vornehmen.

Mit der Verschmelzung im April 2018 vertritt der neu entstehende Verband BvLB (Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V.) die beruflichen Interessen von ca. 38 000 Kolleginnen und Kollegen in der Berufsbildung. Aus dieser Bündelung kann und wird ein deutlich verbesserter politischer Einfluss für die berufliche Bildung resultieren. Damit wird sich auch ihr Gewicht insbesondere im Vergleich zur Allgemeinbildung zu ihren Gunsten verschieben, wenn die beiden von der Mitgliederzahl nahezu gleichstarken Verbände der beruflichen Bildung verschmelzen.

Zentrale Zielsetzungen des neuen Verbandes BvLB richten sich auf

die Weiterentwicklung des beruflichen Bildungswesens,

die Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung,

die Sicherung und Weiterentwicklung der nach beruflichen Fachrichtungen differenzierten Lehrerbildung,

den Erhalt des hohen Qualitätsniveaus der Lehrkräfte durch eine universitäre Ausbildung für das Lehramt an beruflichen Schulen,

die Sicherung des Beamtenverhältnisses für die Lehrkräfte,

die Gleichwertigkeit der an beruflichen und / oder allgemeinbildenden Schulen erworbenen Abschlüsse,

die Sicherung des Besoldungs- und Versorgungssystems,

die Steigerung der Attraktivität des Arbeitsplatzes „Berufsbildende Schule“.

Diese Ziele können in dem neuen Verband BvLB zukünftig schlagkräftiger und erfolgreicher realisiert werden.

Dr. Ernst G. John (Bundesvorsitz VLW) / Eugen Straubinger (Bundesvorsitz BLBS)


Historie Landesvorsitzende
 
Dr. Konrad Pfeiffer, Neuwied 1949-1958
Gotthard Steglich, Mainz 1958-1962
Herbert Thoma, Grünstadt   1962-1965
Erich lllmann, Mainz   1965-1969
Klaus Assmann, Mainz 1969-1971
Wolfgang Schütte, Kirn 1971
Max Seither, Landau 1972-1983
Helga Giebson, Mainz 1984-1989
Klaus Flörchinger, Idar-Oberstein 1989-1998
Georg Jooß, Ludwigshafen 1998-2003
Karl-Heinz Fuß, Kirchheimbolanden 2003-2021
Dirk Mettler, Koblenz 2021 -
 

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Hildchen 7
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