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VLW sieht Gefahr für Lehrkräftenachwuchs
­Die Nachbar-Bundesländer fischen dem Land Rheinland-Pfalz die Lehrkräfte weg.
 
Der Köder muss dem Fisch schmecken - nicht dem Angler   .......

 

 

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

"Der Köder muss dem Fisch schmecken – nicht dem Angler"

Dieses Sprichwort kommt mir in den Sinn, wenn ich die Karikatur betrachte. Spontan möchte ich ergänzen: Der Angler mit den schmackhaftesten Ködern fängt die meisten Fische. Nun sind wir kein Anglerclub, sondern ein Bildungsverband. Dementsprechend geht es bei der Karikatur auch nicht um Fische, sondern darum, möglichst viele gut ausgebildete Nachwuchs-Lehrkräfte an Land zu ziehen.

Dass dies bitter nötig ist, war auch schon klar, bevor uns kurz vor Beginn des aktuellen Schuljahres die Nachricht erreichte, dass nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbandes bundesweit etwa 40.000 Lehrkräfte fehlen. Diesen Mangel spüren wir auch bei unserer täglichen Arbeit an den Berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz, wo wir von einer eigentlich selbstverständlichen Unterrichtsversorgung von 100 % noch ein gutes Stück entfernt sind. Da nützt es den Betroffenen überhaupt nichts, wenn das Bildungsministerium in wohlklingenden Pressemitteilungen verkündet, dass wieder einmal alle Planstellen besetzt werden konnten. Dazu muss man wissen, dass sich die Zahl der Planstellen nicht – wie man es erwarten könnte – am Bedarf an Lehrkräften orientiert, sondern einzig und allein auf Basis der von der Landtagsmehrheit zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel berechnet wird.


Für den Bereich der BBS wird seitens des Ministeriums auch gerne darauf verwiesen, dass man die vorhandenen Stellen ja gerne mit Lehrkräften besetzen würde, wenn diese denn auf dem Markt verfügbar wären. Nicht von der Hand zu weisen ist in diesem Zusammenhang, dass immer wieder Bewerberinnen und Bewerber abspringen, wenn ihnen eine Stelle im rheinland-pfälzischen Hinterland angeboten wird. Das ist in der Tat bedauerlich, bietet unser Bundesland doch auch abseits der Rheinschiene Standorte mit hoher Lebensqualität. Offensichtlich sehen das viele aus der nachwachsenden Lehrkräfte-Generation anders. Sie lassen sich nicht von schönen Landschaften beeindrucken und ziehen strukturstarke Regionen mit einem attraktiven Freizeitangebot dem in Rheinland-Pfalz ja meist gar nicht so flachen Land vor.


Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, auf diese Situation zu reagieren: Entweder steckt man den Kopf in den Sand und lässt die Bewerberinnen und Bewerber in benachbarte Bundesländer abwandern oder man überlegt sich Gegenmaßnahmen, um die jungen Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz zu behalten. Daraus folgt, dass dringend an der Attraktivität des rheinland-pfälzischen Schuldienstes gearbeitet werden muss. Möglichkeiten dazu haben wir in den vergangenen Jahren fast schon gebetsmühlenartig vorgetragen. Elementar ist die Zuweisung einer Planstelle direkt im Anschluss an die erfolgreiche Ausbildung im Studienseminar. Hochqualifizierte Lehrkräfte, die besonders im Bereich der BBS oft schon mitten im Leben stehen und eine Familie zu ernähren haben, lassen sich nun mal nicht gerne mit unsicheren Vertretungsverträgen abspeisen. Auch wenn sich die Besoldung in den zurückliegenden Jahren verbessert hat und Rheinland-Pfalz die rote Laterne abgeben konnte, bleibt im Vergleich zu benachbarten Bundesländern noch Luft nach oben!

Ein weiteres Problemfeld ergibt sich durch misslungene Reformen, wie jüngst in der HBF. Unsere im Vorfeld der Reform geäußerten Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Insbesondere die Kürzungen im Stundenansatz der allgemeinbildenden Fächer werden von fast allen Beteiligten kritisch gesehen. Es ist auch für Lehrkräfte frustrierend, wenn sie in Ihren Fächern, für die sie in aller Regel brennen, nur Bruchstückhaftes realisieren können. Ich will es nochmals ausdrücklich betonen: Die HBF ist ein wichtiger Baustein im Gefüge der BBS. Sie ermöglicht einer großen Anzahl von Schülerinnen und Schülern, die meist von einer Realschule plus kommen und die mit den Anforderungen des beruflichen Gymnasiums überfordert wären, zu echten Bildungsaufsteigern zu werden. Wir bedauern es sehr, dass diese Schulform im Ministerium nicht die ihr zustehende Wertschätzung erfährt.

Ich möchte jedoch nicht verschweigen, dass es auch gute Ansätze gibt. Die Stärkung des beruflichen Gymnasiums durch neue frei wählbare Grundfächer oder auch die Etablierung des Sport-Leistungskurses (siehe eigenen Bericht in diesem VLW kompakt) ist ein gutes Beispiel dafür, wie man durch einfache – und in diesem Fall vermutlich sogar kostenneutrale – Maßnahmen die Attraktivität der beruflichen Bildung stärken kann. Hoffen wir, dass dieses Beispiel im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Namen des Landesvorstands wünsche ich Ihnen ein gutes neues Schuljahr, verbunden mit der Hoffnung, dass wir gemeinsam die vor uns liegenden Herausforderungen meistern werden.

Dirk Mettler

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