Stadtführung in Mainz auf Einladung des VLW Bezirksverband Rheinhessen

Auf den Spuren von Mainzer*innen zwischen Verfolgung, Widerstand und Emanzipation
Dagmar Keck vom „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“ schilderte bei ihrer Führung entlang Mainzer Plätze und Bauwerke, Lebenswege, Errungenschaften und Schicksale ausgewählter Persönlichkeiten.
Zur Führung hatte der VLW Bezirksverband Rheinhessen auch vlbs-Mitglieder eingeladen. Insgesamt nahmen zwölf Mitglieder des VLW und des vlbs teil. „Nach diesem Rundgang sehe ich die Mainzer Innenstadt nun mit einem neuen Blickwinkel“, dürfte eine anerkennende Rückmeldung zum Ende der interessanten Führung für Dagmar Keck sein.
Aufgeteilt war diese in fünf Stationen. Es begann am Haus des Erinnerns, in dessen Nachbarschaft sich die Anne-Frank-Realschule plus befindet. In deren Gebäude war ab 1907 zunächst die im Jahr 1889 gegründete Höhere Mädchenschule untergebracht. Hier wurden Mädchen über die Grundbildung der Volksschule hinaus unterrichtet. Um die Jahrhundertwende war der Zugang zu Bildung für Mädchen noch keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr waren für sie häusliche Tätigkeiten vorgesehen.
Aufgeteilt war diese in fünf Stationen. Es begann am Haus des Erinnerns, in dessen Nachbarschaft sich die Anne-Frank-Realschule plus befindet. In deren Gebäude war ab 1907 zunächst die im Jahr 1889 gegründete Höhere Mädchenschule untergebracht. Hier wurden Mädchen über die Grundbildung der Volksschule hinaus unterrichtet. Um die Jahrhundertwende war der Zugang zu Bildung für Mädchen noch keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr waren für sie häusliche Tätigkeiten vorgesehen.
Beispiele für engagierte weibliche Persönlichkeiten, die insbesondere für das Frauenwahlrecht eintraten, beschrieb Keck bei der zweiten Station am Neubrunnenplatz in der Großen Bleiche. Anhand historischer Bildmaterialien beleuchtete sie die Lebensumstände, denen Frauen zum Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesetzt waren.
Weiter ging es danach zum Maria-Einsmann-Platz, dessen Namensgeberin weit über Mainz hinaus Aufmerksamkeit erweckte, da sie sich zwölf Jahre lang als Mann ausgab, um dadurch Diskriminierung und wirtschaftlicher Not zu entgehen.
An der vierten Station in der Klarastraße ging es zum Gebäude, das vielen noch als Heimat des Peter-Cornelius-Konservatoriums (bis 2008) bekannt ist, dem Dalheimer Hof. Von 1923 bis 1979 war dort das Polizeipräsidium, zeitweise mit Gefängnis, untergebracht. Politische Gegner, Juden und Mainzer Sinti wurden dort während der NS-Zeit inhaftiert und deportiert. Keck schilderte das Schicksal von Dr. Elisabeth Darapsky und ihrem Bruder Emil, deren Kritik am totalitaristischen System ebenfalls zu deren Inhaftierung und schließlich zur Hinrichtung des Bruders führte.
Zum Abschluss des informativen und nachdenklich machenden Rundgangs ging es zurück zur fünften Station am Platz der Mainzer Republik vor dem Landtagsgebäude. Dort schilderte Keck die politischen Werdegänge zweier Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv waren. Maria Dietz, die sich u.a. für die Besetzung von politischen Ämtern mit Frauen engagierte, wurde von 1949 bis 1957 für zwei Amtsperioden für die CDU in den Bundestag gewählt. Josefine Halein, die sich ebenfalls für Frauenrechte engagierte, rückte von 1948-1951 für die später verbotene KPD in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Aufgrund des Kalten Krieges geriet sie jedoch zunehmend mit dem Gesetz in Konflikt und wurde mehrfach inhaftiert. Dennoch engagierte sie sich bis ins hohe Alter in der Friedensbewegung und hielt Vorträge beim Internationalen Frauentag.
Jutta Macher sprach Dagmar Keck ihren Dank für die informative Führung aus.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten anschließend der Einladung des VLW und ließen den Abend beim gemeinsamen Essen mit interessanten Gesprächen ausklingen.
Karl-Heinz Fuß




